Ein durchschnittlicher Schüler kann sich nur etwa zehn bis 20 Minuten lang vollständig auf eine Aufgabe konzentrieren – dann schweifen die Gedanken ab. Lehrer berichten zunehmend von Schülern, die sich kaum mehr auf den Unterricht fokussieren können, sei es durch ständige Ablenkungen, digitale Reize oder Schlafmangel. Viele Eltern sorgen sich: Liegt es an zu viel Bildschirmzeit? An falscher Ernährung? Oder ist das heutige Bildungssystem einfach nicht mehr auf die Realität der Schüler angepasst? Fakt ist: Konzentration kann trainiert werden. Doch dafür braucht es mehr als bloße Disziplin – es braucht die richtigen Methoden.
Warum sich Schüler immer schwerer konzentrieren können
Wer mit Lehrkräften spricht, hört oft die gleichen Klagen: Schüler wirken müde, unruhig und haben Schwierigkeiten, sich über längere Zeit hinweg auf eine Aufgabe zu fokussieren. Dabei gibt es keine einfache Erklärung für dieses Problem. Vielmehr sind es mehrere Faktoren, die sich gegenseitig verstärken.
Ein wichtiger Punkt ist die steigende Reizüberflutung. Studien zeigen, dass Jugendliche im Schnitt mehr als vier Stunden täglich am Smartphone verbringen – oft parallel zu anderen Aktivitäten. Multitasking mag effizient klingen, doch für das Gehirn ist es eine Herausforderung. Wer zwischen WhatsApp-Nachrichten, TikTok-Videos und Hausaufgaben hin- und herspringt, trainiert sich unbewusst an, ständig den Fokus zu wechseln. Die Fähigkeit, über längere Zeiträume an einer Sache zu arbeiten, leidet darunter.
Aber nicht nur Technologie spielt eine Rolle. Auch Schlafmangel ist ein unterschätztes Problem. Schüler, die zu wenig schlafen, sind nachweislich unaufmerksamer und lernen schlechter. Besonders betroffen sind Oberstufenschüler, die durch schulischen Druck, Nebenjobs und soziale Verpflichtungen oft bis spät in die Nacht aktiv sind.
Ein weiteres Thema, das für ältere Schüler relevant wird, ist der Einsatz von stimulierenden Substanzen zur Leistungssteigerung. Immer wieder greifen Abiturienten oder Studierende zu Mitteln, die angeblich die Konzentration fördern sollen. Dabei reicht das Spektrum von koffeinhaltigen Energy-Drinks über rezeptpflichtige Medikamente bis hin zu alternativen Produkten wie Nikotin-Pouches. Die Snus Wirkung wird beispielsweise von manchen als Konzentrationshilfe beschrieben, da das enthaltene Nikotin kurzfristig die Aufmerksamkeit steigern kann.
Wie Schlafmangel das Lernen blockiert
Es gibt kaum etwas, das für die Konzentration so entscheidend ist wie ausreichend Schlaf. Dennoch gehen viele Jugendliche chronisch übermüdet in die Schule. Schuld ist nicht nur das frühe Klingeln des Weckers – sondern auch falsche Gewohnheiten.
Ein Problem ist der späte Medienkonsum. Das blaue Licht von Bildschirmen unterdrückt die Ausschüttung von Melatonin, dem Hormon, das für Müdigkeit sorgt. Wer abends noch stundenlang auf TikTok scrollt oder Netflix schaut, signalisiert seinem Gehirn, dass es wach bleiben soll. Die Folge: Ein späteres Einschlafen und am nächsten Morgen ein schwerer Start in den Tag.
Doch es gibt noch einen anderen, oft übersehenen Aspekt: Schulbeginn-Zeiten sind nicht an den natürlichen Biorhythmus von Jugendlichen angepasst. Studien zeigen, dass sich der Schlaf-Wach-Rhythmus in der Pubertät nach hinten verschiebt. Jugendliche sind biologisch gesehen Spättypen – und dennoch beginnt der Unterricht häufig um 8 Uhr morgens. Länder, die die Schulzeiten flexibler gestalten, berichten von besseren Konzentrationsleistungen und höheren Lernerfolgen.
Die unterschätzte Rolle der Ernährung
Fast Food, Süßigkeiten und Energydrinks gehören für viele Jugendliche zum Alltag. Doch das, was wir essen, beeinflusst die Gehirnfunktion mehr, als den meisten bewusst ist.
Ein hoher Zuckerkonsum führt zu Blutzuckerschwankungen, die kurzfristig Energie geben, aber schnell wieder absacken. Das Ergebnis: Konzentrationslöcher und Müdigkeit. Gleichzeitig fehlen in der typischen Schülerernährung oft wichtige Nährstoffe wie Omega-3-Fettsäuren, Magnesium oder B-Vitamine – alles essenziell für eine gesunde Gehirnfunktion.
Wer seine Konzentration verbessern will, sollte daher auf eine ausgewogene Ernährung achten. Besonders hilfreich sind:
- Proteine (z. B. Eier, Joghurt, Nüsse): Sie sorgen für einen stabilen Blutzuckerspiegel und liefern wichtige Bausteine für das Gehirn.
- Komplexe Kohlenhydrate (z. B. Haferflocken, Vollkornbrot): Sie liefern langanhaltende Energie, ohne plötzliche Tiefs.
- Omega-3-Fettsäuren (z. B. Fisch, Leinsamen, Walnüsse): Sie fördern die Gehirnfunktion und verbessern die Konzentrationsfähigkeit.
Tipp: Warum Bewegung Wunder wirkt
Ein Schultag besteht aus stundenlangem Sitzen. Doch unser Gehirn ist nicht dafür gemacht, ohne Bewegung dauerhaft Höchstleistungen zu erbringen.
Sport und körperliche Aktivität steigern nachweislich die Durchblutung des Gehirns, fördern die Ausschüttung von Dopamin und verbessern die Konzentration. Schüler, die sich regelmäßig bewegen, schneiden in kognitiven Tests besser ab. Deshalb setzen einige Schulen bereits auf Bewegungspausen oder Unterricht im Freien – mit positiven Ergebnissen.
Es muss nicht immer Hochleistungssport sein: Schon 15 Minuten Spazierengehen zwischen den Lernphasen helfen, den Kopf freizubekommen und die Aufmerksamkeitsspanne zu verlängern. Auch kleine Veränderungen, wie das Fahrrad statt den Bus zu nehmen oder in der Pause eine Runde um das Schulgebäude zu drehen, können helfen.